Die Entwicklung der Firma Fritz Fries und Söhne

1924 – Zeit der Inflation

Trotz der völlig zerrütteten Wirtschaft eröffnete Fritz Fries sen. im Vertrauen auf sein Können und seinen Ruf eine mechanische Werkstätte.  Die erste eigene Werkbank nebst Hobelmaschine und Drehbank standen bei einem Freund in dessen kleiner Metalldreherei.

Zwei Jahre später: Fritz Fries bezog die erste eigene Werkstatt. Er baute Werkzeuge für die Idar-Obersteiner Schmuckindustrie, ersann aber auch neue Herstellungsmethoden und Produkte, die sich erst im Entwicklungsstadium befanden. So konstruierte er Maschinen zur Herstellung extrem dünner Gummifäden, aufblasbarer Wasserbälle, nichttropfender Kolbenfüllhalter und Schmuckketten. Fleiß, Kreativität, Flexibilität und Sparsamkeit waren oberstes Prinzip. Improvisation wurde in diesen Zeiten groß geschrieben.

Nachdem die beiden ältesten Söhne Fritz jr. und Emil im Betrieb mitarbeiteten, wurde das Programm auf die Herstellung von Maschinen für die Diamantindustrie erweitert. Weiteren  Auftrieb brachte 1937 die Fabrikation von Schmucksteinfassungen. Durch den Krieg wurde diese Entwicklung leider unterbrochen. Die Söhne wurden Soldaten. Der Vater musste den Betrieb auf Rüstungsgüter umstellen.

Die schwierige Nachkriegszeit – Feuerzeuge aus Patronenhülsen

1945 kam alles zum Erliegen. Im Bereich der Konsumgüter war zwar ein riesiger Bedarf vorhanden, aber es gab kein Material, aus dem man etwas produzieren konnte. Fritz Fries sammelte auf dem nahegelegenen Truppenübungsplatz Patronen- und Granathülsen und fertigte daraus sogenannte Galanteriewaren wie Taschen- und Tischfeuerzeuge. Im Übrigen blühte der Schwarzmarkt. Wer nicht verhungern wollte, war gezwungen, Kompensationsgeschäfte zu tätigen.

Artur Fries: Ein junger Pionier stellt sich den Herausforderungen der Zeit

1945 trat Artur Fries nach seiner Kriegsgefangenschaft als Neunzehnjähriger in die Firma ein. Sofort ging er das Problem der Materialbeschaffung an. Entbehrungsreiche  Reisen lagen vor ihm – Schlafen im Wartesaal, Essen auf magere Lebensmittelkarten. Es galt, irgendein Material aufzutreiben, das sich mit den vorhandenen Maschinen verarbeiten ließ. Aus einem verlassenen Sturmgeschütz bauten Vater und Sohn die Zielvorrichtung aus und stellten aus dem Schneckengetriebe eine Ölmaschine zur Gewinnung von Rapsöl her. Damit war ein Tauschobjekt vorhanden, welches Türen öffnete, die bisher verschlossen waren.

5 Tonnen angerosteter Eisendraht

Viele Lebens- und Genussmittel waren notwendig, um in einem Drahtwerk 5 Tonnen 1,3 mm dicken Eisendraht einzukaufen. Der Draht war leicht angerostet, deshalb wurde er auf einer alten Goldschmiedeziehbank um 1/10 mm dünner gezogen. Danach war er wieder blank und verwendbar. Aber was macht man mit 5 Tonnen 1,2 mm dickem Eisendraht? Artur Fries gestaltete daraus Haarnadeln, Haarklemmen und eigens für das Material konzipierte Lockenwickler. Der Vater baute dafür die Spezialmaschinen, und so gelang es, eine Fabrikation auf die Beine zu stellen.

Die Geschäfte liefen, die Beschaffung von Material kam in Gang. Eine eigene Schmuckkollektion aus unedlen Metallen mit Glassteinen entstand. Ebenso produzierte die Firma Silberschmuck mit echten Edelsteinen. Artur Fries war als Schmuckdesigner besonders erfolgreich.

Bereits am 01.01.1947 war die Umwandlung der Einzelfirma durch Beteiligung der Söhne Fritz Fries jr, Emil und Artur in die oHG Fritz Fries & Söhne erfolgt.

Die Währungsreform

Die erfreuliche Firmenentwicklung wurde durch die Währungsreform jäh unterbrochen. Neue Produkte und Vertriebswege mussten gefunden werden. Die ersten lukrativen Artikel waren Schutzgehäuse für Taschenuhren, für deren Herstellung immerhin 40 Mitarbeiter beschäftigt werden konnten. Mit dem Erscheinen stoßgesicherter Armbanduhren wurden die Taschenuhren langsam vom Markt verdrängt, und die Produktion der Schutzgehäuse lief aus.

Schlüsselketten waren eine wichtige Station im Werdegang der Firma

Ein neues Erzeugnis, welches in Millionenauflage produziert wurde, waren Klappschlüsselringe, die vorwiegend in die USA exportiert wurden. Nachdem die Konkurrenz aus Hong Kong die Preise enorm unterboten hatte, lagen etwa eine Million Schlüsselketten auf Halde. Artur Fries hatte die zündende Idee, sie mit Totenkopfanhängern zu versehen und an Schießbuden zu verkaufen. Der Absatz lief so gut, dass große Mengen Schlüsselringe nachproduziert werden mussten und die Kollektion um Neuheiten ergänzt wurde.  Leider wurde auch dieses Produkt später von asiatischen Herstellern vom Markt verdrängt.

Allen Entwicklungen begegnete man im Hause Fries mit Ideenreichtum und Kreativität. Produkte wie Kinderuhren, Strickhelfer, Kinderschmuck und Puppenschmuck lösten einander ab.

Schmuckbaukästen von Fries waren ein Renner, der 22 Jahre lang in den Versandhauskatalogen zu finden war!

Nachdem Vater und Brüder im Laufe der Jahre aus dem Unternehmen ausgeschieden waren, wurde die Firma ab 1961 von Artur Fries als Einzelfirma weitergeführt.

Die bahnbrechende Entscheidung

Ende der 60er Jahre traf Artur Fries eine Entscheidung, die sich als bahnbrechend erweisen sollte: Die Herstellung von KARNEVALSSCHMUCK.

Seine Kollektion setzte sich sehr schnell auf dem Markt durch. Die Firma expandierte, der Schmuck für Karneval, Fasching, Fastnacht eroberte auf dem Markt einen dominierenden Platz. Artur Fries verschrieb sich dem Ziel, die Welt durch seine Produkte zu einem fröhlichen Tummelplatz des Lebens werden zu lassen. Dies ist bis heute unser herzliches Anliegen! 1977 wurde durch die ständig wachsenden Umsätze ein Neubau mit einer Fläche von 1.200 m² erforderlich. Jetzt widmete man sich ganz der „5. Jahreszeit“, dem Karneval und nahm nach und nach andere Erzeugnisse aus der Produktion. Weitere Karnevalsartikel wurden aufgenommen und neue Vertriebswege erschlossen.1986 genügte die Halle in der Vollmersbachstraße nicht mehr den Ansprüchen. Eine doppelt so große Halle wurde im Ortsteil Weierbach gebaut.

Am 01.07.1989 erfolgte die Umwandlung der Firma in eine GmbH & Co. KG unter Beteiligung der Familienmitglieder. Artur Fries übertrug die Geschäftsführung seinem Schwiegersohn Gerd Horbach.

Vom Spezialisten zum Komplettanbieter

Gerd Horbach arbeitete besonders intensiv an der Erweiterung des Sortimentes, das mittlerweile mehrere tausend Artikel umfasst. Aufgrund der starken Konzentrationsbestrebungen des Handels listeten Einkaufsverbände und Großkunden Lieferanten aus, mit denen sie bestimmte Umsatzgrößen nicht erreichten. So trieb Gerd Horbach zielstrebig die Erweiterung des Sortimentes um Faschingskostüme, Schminke, Hüte, Perücken, Masken, Federboas und zahlreiche Accessoires voran – die komplette Kostümierung für das närrische Volk, und damit das komplette Programm für den Wiederverkäufer. Der Kunde hatte nun die Möglichkeit, seinen gesamten Bedarf bei einem einzigen Lieferanten zu decken.

Eine weitere Sprosse auf der Erfolgsleiter: Die Entwicklung attraktiver Warenträgersysteme

Nicht immer war die Präsentation des komplexen Karnevalssortimentes für den Handel so unkompliziert und effizient wie heute. Mitte der 90er Jahre stellte Fries dem Handel das erste Shop-in-Shop-System zur Verfügung: Größen- und sortimentsmäßig variable Metallständer, die vom Händler aufgebaut und nach Plan bestückt wurden.

Um den Handel gänzlich zu entlasten, entwickelte Fries einen Shop, der komplett bestückt auf Europalette am Point of Sale angeliefert wird. – So ist die Ware in Minutenschnelle präsentationsbereit!

Halloween, die „sechste Jahreszeit“

Seit den 90er Jahren findet das amerikanische Gruselvergnügen Halloween auch in Deutschland immer mehr Liebhaber. Gerd Horbach sprang früh auf diesen Zug auf und arbeitete daran, geeignete Absatzmärkte für Halloween-Artikel wie Kostüme, Masken und  trendige Dekoartikel zu erschließen. – Mit Erfolg! Der Markt wächst beständig, und Halloween-Parties, vor allem im privaten Bereich, sind heute angesagter denn je.

Weitere Artikelgruppen, die das umfangreiche Fries-Sortiment heute ergänzen

  • Oktoberfestartikel
  • Nikolausartikel
  • Silvester-Dekorationen
  • Fan-Artikel
  • Partyartikel